Alfred Döpker

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Diplomatie. Döpker. Für unser Titelthema hat Chefredakteur Jannes Vahl
Christian Schaefer und einen Teil seiner Führungsetage getroffen.

Den Grundstein für sein Bauunternehmen hat Alfred Döpker 1965 gelegt. Im Laufe dieses halben Jahrhunderts hat er Christian Schaefer die Verantwortung übertragen – der sich immer wieder aufs Neue für die Zukunft öffnet, ohne die Vergangenheit zu vergessen.

Die Stimmung ist ausgelassen, als Matthias Meyer den Kon-ferenzraum betritt. In den Händen hält er eine nagelneueVirtual-Reality-Brille, die alle Anwesenden sofort aufsetzenmöchten. Jens Tielemann bekommt sie als erstes. Tielemann istProjektleiter bei der Alfred Döpker GmbH und ein gestandener Mannvon 58 Jahren. Diplomatie wird eigentlich groß geschrieben im Unternehmen, wenn es aber um neue Technik-Gimmicks geht, will jeder der erste sein, der sie ausprobiert. Natürlich um den Nutzen für zukünftige Projekte abzuwägen.

»So ist das eigentlich immer bei uns«, scherzt Christian Schaefer, seines Zeichens Geschäftsführer beim Oldenburger Familienunter-nehmen, das seit 1965 existiert. Schaefer selbst ist seit 1999 bei Döpker, die Verantwortung wurde ihm 2007 vom Familienoberhaupt persönlich übertragen. In seinem Satz stecken beide Wahrheiten. Einerseits arbeiten alle 30 Spezialisten bei Döpker höchst verbindlich und pünktlich, zwischen dem zeitigen Start im Büro in Etzhorn und Feierabend bleibt ihnen eigentlich nicht viel Zeit für Nonsens. Auf der anderen Seite weiß Tielemann: »Ohne Spaß wäre das Leben doch nur halb so schön. Bei der Arbeit ist man die Hälfte des Tages, das wäre doch fahrlässig, wenn man sich die Zeit nicht schön machen würde. Das ist doch auch im Umgang mit den Kunden wichtig.« Tielemann ist die meiste Zeit der Woche auf der Baustelle am Marcuskaje in Bremen. »Auch auf der Baustelle pflegen wir ein gutes Verhältnis zu den Partnerunternehmern. Dazu gehören auch lockere Sprüche, aber der Ton auf dem Bau muss deutlich und verständlich sein.«

Ein Meilenstein, auf den Döpker besonders stolz sein kann: das geschwungene Weser Wave in Bremerhaven.

Es steckt noch eine weitere Information in Schaefers Satz: Tatsächlich ist das Traditionsunternehmen Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen. Das beginnt vielleicht bei einer Virtual-Reality-Brille, denn nach den Fantasielandschaften in 3D zeigt Matthias Meyer mal eben, was seine dreiköpfige Einheit, Building Information Modeling (BIM), schon so kann und schaltet um auf eine Baustelle in Rastede, die man komplett begehen kann. Ein großes Hallo auf ersten Terminen, das noch nicht überall auf Gegenliebe stößt, wie Schaefer weiß: »Die tollen Möglichkeiten, die BIM bietet, machen uns heute schon einige Arbeit leichter. Wir können ja noch längst nicht alles, die Abteilung von Matthias befindet sich absolut im Aufbau. Trotzdem merken wir schon, dass zum Beispiel einige Statiker sich immens über diese Entwicklung freuen, einigen Architekten wiederum noch etwas unter die Arme gegriffen werden muss.« Meyer nickt. Er ist eigentlich Chef der Kalkulation bei Döpker, wurde von Schaefer aber schon ein paar Wochenstunden für die BIM-Einheit freigestellt. Durchaus auch Gesprächsstoff auf den zahlreichen Messen und Weiterbildungs-maßnahmen, die Schaefers Mitarbeiter regelmäßig besuchen. Man will am Puls der Zeit bleiben bei Döpker, das war schon immer eine Stärke von Schaefer. Der nicht verstehen kann, wieso man sich vor Fortschritt überhaupt verschließen wollen könnte.

 

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Darum hat er zum Beispiel auch jüngst die Abteilung Bauen im Bestand gestärkt. »Ein unheimlich wichtiger Bereich heutzutage, denn 75 Prozent der Bausubstanz in Deutschland ist von vor 1979.« Jetzt meldet sich Thomas Prang zu Wort. Er ist Abteilungsleiter, 56 Jahre altund seit drei Tagen im Betrieb. Was sofort auffällt: Er wird von allenrespektiert, die deutlich dienstälteren Mitarbeiter am Tisch hörenPrang aufmerksam zu. Eine symbolische Szene, schwärmt Schaeferdoch immer davon, wie wissbegierig und lernwillig seine Mitarbeitersind und wie stolz, wenn sie ihr neues Wissen in der Donnerstags-runde um sieben Uhr fünfzehn anwenden können. Prang fährt fort: »Die heutigen Anforderungen an den Umweltschutz, überhaupt alle energetischen Vorgaben werden immer höher. Dann die ganzen Sanierungen von Seniorenwohnungen, die Bevölkerung wird doch immer älter. Und von den Aufgaben unserer Branche in der gesamten Situation mit den Zuwanderern, da will ich jetzt noch nicht mal sprechen. Diese Unterkünfte in Containern – da müssen wir doch was machen.« Man merkt schnell: Prang begeistert sich für seinen Beruf. Christian Schaefer fasst die Aufgabe von Prang zusammen: »Alfred Döpker hat eines Tages mal zu mir gesagt: Deutschland ist bald fertig aufgebaut. Unsere Bauherren finden zwar schon noch immer wieder ein Fleckchen, aber grundsätzlich hat er schon Recht. Darum gehen wir jetzt eben in die Häuser aus den Sechzigern und Siebzigern rein und bringen sie auf den heutigen Stand.« Und da erledigen die Mitarbeiter gerne auch mal Kleinigkeiten, auch wenn die großen Herausforderungen, die in so alter Substanz lauern können, natürlich für alle Beteiligten spannender sind. »Uns ist es aber wichtig, dass die Kunden rundum glücklich sind. Auch das gehört eben zur Diplomatie. Sollte es tatsächlich mal vorkommen, dass eine beschädigte Tür ausgetauscht werden muss, obwohl wir die erst vor vier Wochen tiptop eingebaut haben, dann machen wir das eben«, sagt Matthias Meyer. Mit einer Einschränkung, wie Jens Tielemann deutlich anmerkt: »Es muss nur im Rahmen bleiben.« Bei Döpker hält man zusammen.

Holger Schmidt, wie Schaefer Diplomingenieur und als Prokurist zweitwichtigster Mann im Unternehmen, bringt es auf den Punkt: »Für uns ist es sehr wichtig, dass wir die Bedürfnisse der Menschenabdecken, die bauen wollen. Ob das nun im Bestand, im Schlüssel-fertigen oder im Rohbau ist, ob wir mit Virtual-Reality-Brillen arbeiten oder mit dem Hammer – wir machen das einfach. Hochwertig, fair, ehrlich und verlässlich. So wie immer eben.« Bei Döpker hält man zusammen. Diplomatie wird hier nach außen wie nach innen gelebt.

Fotos: Markus Monecke, Alfred Döpker Archiv

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