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Bei timecon arbeiten Profis. Nur: Wie wird man zu einem?
Linda Heitmann und ihr Team erklären genau das Schülern.

Uns will doch eh niemand.« Diesen Satz hört Linda Heitmann leider oft während ihrer ehrenamtlichen Arbeit. »Uns« sind in diesem Fall in erster Linie die Haupt- und Oberschüler der Region, die bei ihr ein ganz besonderes Augenmerk genießen. Gemeinsam mit etwa 50 weiteren ehrenamtlichen Mitgliedern und Gästen bildet sie aktuell die Wirtschaftsjunioren  der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK), allesamt junge Unternehmer und Führungskräfte. Sie engagieren sich in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Belangen.

»Genau das Gegenteil ist nämlich oft genug der Fall, und wir arbeiten viel daran, dass die Schüler das auch mitbekommen.« Und zwar proaktiv, da die Jugendlichen meist noch ganz andere Interessen als ihre berufliche Zukunft haben. »Ich selber war bis vor einigen Jahren genauso in Vorurteilen verhaftet«, gesteht Heitmann, ihreszeichens Geschäftsführerin der Personalberatung timecon. »Aber je länger wir hier mit den unterschiedlichsten  Bewerbern und Betrieben arbeiten, und je häufiger wir auch selber beratend in Schulen gehen, um in Vorträgen Tipps zu geben und ein wenig aus dem Nähkästchen unseres Arbeitsalltages zu plaudern, desto deutlicher wird, dass wir genau da ansetzen und etwas verändern müssen.«

Im Ehrenamt ist Heitmann schnell zu einer ungemein emsigen Arbeiterin geworden – eine Qualität, die sie auch als Geschäftsführerin auszeichnet. Im eigenen Betrieb wurde sie erst durch  eine Mitarbeiterin überredet, auch auszubilden. Nicht zuletzt aus eigenem Nutzen: »Nicht nur viele Firmen, die wir beraten, letztendlich ja auch wir selber steuern geradewegs auf einen Fachkräftemangel zu.« Einen Mangel, dem Heitmann und die anderen Wirtschaftsjunioren entgegenwirken wollen. Und in ihrem 20-köpfigen Arbeitskreis »Schule und Wirtschaft« gleich zwei Programme stemmen, die sich zu überaus sinnvollen Optionen zur Berufsorientierung für Hauptschüler entwickelt haben.

Engagiert: Linda Heitmann und Kollegin Marina Erhardt halten Vorträge in Schulen

 

Der Durchstarter

Ende 2015 haben die Wirtschaftsjunioren den vierten »Durchstarter« veröffentlicht. In der Broschüre werben regionale Unternehmen bei Haupt- und Oberschülern für ihre Ausbildungsplätze. Alle 76 entsprechenden Schulen im Oldenburger Land erhalten diese Publikation mit einer Gesamtauflage von 4.000 Exemplaren.

»Wir wollen die Schüler möglichst früh auf ihrem Weg zur Berufswahl begleiten, sie informieren und auf spannende Unternehmen der Region aufmerksam machen«, so Linda Heitmann. Sie leitet den zuständigen Arbeitskreis gemeinsam mit Andrea Maria Waden, Geschäftsführerin von amw management, die ebenfalls für die »firm« verantwortlich zeichnet. Durch die Broschüre erhalten Schülerinnen und Schüler konkrete Informationen über die Unternehmen, eine kurze Darstellung der Ausbildungsberufe, den Bewerbungszeitraum, erforderliche Unterlagen, Ansprechpartner und oftmals auch über die Möglichkeit eines Praktikums oder Schnuppertages. Eine Besonderheit: In der Broschüre sind es überwiegend die Auszubildenden der Unternehmen selbst, die sich als Ansprechpartner für die Bewerber zur Verfügung stellen. Das senkt die Hemmschwelle für die Schüler enorm.

Die aktuelle Ausgabe wirkt und wirkt, da ist die nächste längst in Planung: Den »Durchstarter« 2017 stellen Heitmann und ihr Arbeitskreis bei der IHK-Ausbildungsmesse »job4u« Mitte September in Oldenburg vor. Das Projekt wirkt ausgezeichnet: Die Wirtschaftsjunioren erhielten dafür zuletzt den »Hanseraumpreis« in der Kategorie »In Bildung investieren«. Eine beachtliche Leistung, umfasst der Hanseraum doch 36 Juniorenkreise in fünf Bundesländern mit über 1.500 Wirtschaftsjunioren.

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Der Schülerwettbewerb

Bereits weitaus länger als den »Durchstarter« organisieren die Wirtschaftsjunioren ihren großen Schülerwettbewerb. Im Herbst 2016 findet er bereits zum 32. Mal statt. Im vergangenen Jahr nahmen 1.635 Schüler aus 69 Klassen von 38 Schulen teil. Einerseits gibt es attraktive Preise wie Musicalbesuche oder Klassenfahrten zum Heimspiel des SV Werder Bremen. Andererseits bieten mehrere Dutzend Unternehmen Firmenbesichtigungen für die Klassen an, die Heitmann und ihr Arbeitskreis regelmäßig begleiten. So können die Schüler die Arbeit der größten produzierenden Betriebe der Region hautnah erleben, ob Einzelhandel, Industrie, Technik oder Gastronomie, und direkt konkrete Ratschläge aus dem timecon-Kosmos abgreifen. Außerdem erhält die Schule jeder Gewinnerklasse eine einjährige Mitgliedschaft im gemeinnützigen Online-Netzwerk WiGy e.V.: Damit haben sie unter anderem Zugriff auf eine Datenbank mit mehr als 2.000 anschaulichen Materialien rund um das Thema Ökonomie. Die übrigens so gut ist, dass die Firma timecon wie auch andere regionale Firmen den Verein finanziell unterstützen.

Was die Schüler dafür tun müssen? Das eigens vom Arbeitskreis dafür konzipierte Wirtschaftsquiz gewinnen: 28 Fragen aus den Bereichen Allgemeinbildung, Politik, Ausbildung, Internationales oder Regionales. Teilnehmen können alle neunten Klassen an allgemeinbildenden Schulen im IHK-Bereich.

Mit dem Schülerwettbewerb wollen die Wirtschaftsjunioren Jugendliche, die zu einem großen Teil bald in das Berufsleben eintreten, zum Nachdenken über wirtschaftliche Zusammenhänge anregen. Für Heitmann hatte das Nachdenken über eine ihrer aktuellen Auszubildenden übrigens einen mehr als guten Ausgang: Kira Slembeck berät mittlerweile selbstständig Schüler zum Thema Ausbildung, während Teamleiterin Marina Erhardt mit Linda Heitmann Vorträge in Schulen hält. Darüber, dass die meisten Betriebe eben doch engagierte junge Menschen wollen.

Fotos: Markus Monecke

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