Treuhand

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Am wichtigsten sind uns Gespür für die Situation und das jeweils Machbare –
aber vor allem für die Menschen.

Die Förderung der jungen Macher hat sich die Treuhand auf die Fahnen geschrieben: Das spürt man in ihrem Einsatz für Auszubildende, Existenzgründer und eben auch für junge Künstler. »Ja, ich bin ein gefragter Mann hier«, Jürgen Jetschina muss schmunzeln, als sein Haustelefon klingelt, während er mit seinen weißen Stoffhandschuhen final Hand an das Bild der Bremer Malerin Sibylle Springer legt. Wasserwaage, Zollstock, transparente Hängeschnüre – wie in der eigentlichen Arbeit der Treuhand wird auch im Kunstfoyer absolut sorgfältig und exakt gearbeitet. Jetschina ist Hausmeister im Firmensitz am Langenweg. Und neben dem Auswechseln von Glühbirnen und der Koordination der Fensterputzer bedeutet das in diesem besonderen Foyer eben auch: Kunstwerke aufhängen, Skulpturen aufstellen oder südamerikanische Tausendfüßler mit Bananen füttern. »Die gehörten zu einer Installation 1999«, erinnert sich Jetschina. Über-haupt hat er schon viel erlebt hier: Gleich 1996, im ersten Jahr des Kunstfoyers, musste er über Wochen Abend für Abend alle Werke von Franz Radziwill in den Tresorraum und morgens wieder an ihren Platz transportieren. Morgens heißt bei Jetschina sieben Uhr. 2007 gab es eine Installation aus Hunderten von Hai-Fruchtgummis,von denen eines Morgens eins fehlte. Der Dieb hatte allerdings einen Entschuldigungszettel mit einem Zehn-Cent-Stück darauf hinterlassen. Flugobjekte aus lebendem Moos, drei Meter große Statuen, die 400 Kilogramm auf die Waage bringen, oder 120 Fotos zur Fußball-WM: Jetschinas Job wird jedenfalls nicht langweilig.

 

Die letzten Besprechungen vor der großen Ausstellung: Jörg Kinner und die Künstlerin Sibylle Springer zeigen Warmbrunn und Duwe von der Treuhand eine ihrer Malereien.

 

»63 Ausstellungen hatten wir bislang hier im Kunstfoyer«, weiß Kersten Duwe, Gesellschafter und Sprecher der Treuhand, zu be-richten. 1996 begann alles mit einer riesigen Flügelstatue im Vorgarten, dem Ergebnis eines Wettbewerbs mit der Kunsthochschule Bremen: »Um unseren Gedanken immer Flügel zu verleihen.« Das Kunstfoyer wurde ins Leben gerufen, um gezielt junge Macher der Region zu fördern und ihnen einen Einstieg in die Öffentlichkeit zu ermöglichen. So werden die Kunstwerke über sechs Wochen im Foyer einem kunstinteressierten Publikum gezeigt und jede Ausstellung mit einer Vernissage gebührend gefeiert.

Zur weiteren Unterstützung hat es sich die Treuhand zur Regel gemacht, jedem jungen Künstler eins seiner Werke abzukaufen. Ein toller Nebeneffekt: Das Gebäude wird durch die unterschiedlichsten Kunstwerke mit Leben gefüllt. Alles Originale. Alles Geschichte und Geschichten. »Ausstellen darf hier eigentlich jeder,der positive Kunst macht«, so Duwe. Die muss auch nicht immergefallen, nur in die Reihe der Ausstellungen passen: Malerei, Skulpturen, Installationen, digitale Kunst – immer im Wechsel und immer im Wandel. »Ich saß hier einmal wochenlang zwischen einem Video in Endlosschleife, in dem eine Frau Hula-Hoop tanzt, und Düsenjägergeräuschen«, erinnert sich die Dame vom Empfang. Inmitten der Kunst zu sein – das ist hier absolut gewollt. »Wir holen die Kunst zu uns ins Haus und erfreuen uns an ihrer Vielfältigkeit«, sagt Duwe. In der Tat ist die Kunst ein lockeres Entrée nicht nur ins Gebäude, sondern auch in das folgende Gespräch zur Steuererklärung oder zum Jahresabschluss.

Was müssen die jungen Künstler der Region Weser-Ems nun tun, um im Kunstfoyer gezeigt zu werden? Zunächst müssen sie nicht jung im Sinne ihres Alters sein, sondern lediglich im Sinne ihrerkünstlerischen Entwicklung. Das Alter ist hierbei kein Dogma. Dann müssen sie aus der Region Weser-Ems stammen oder eine private oder berufliche Verbundenheit zur Region haben. Einige der Künstler der vergangenen fast zwanzig Jahre sind hier geboren und in der Zwischenzeit nach Berlin, Düsseldorf oder New York gezogen. Andere arbeiten immer noch in Oldenburg, Bremen, Worpswede oder Groningen: »Der Treuhand ist die regionale Verbundenheit sehr wichtig«, erklärt Sandra Warmbrunn. Warmbrunn sitzt im Marketing der Treuhand, der Abteilung, unter der das Kunstfoyer aufgehängt ist. Über ihren Schreibtisch gehen auch die Initiativbewerbungen. »Einige Künstler rufen mich direkt an – diese Nähe zu den Menschen ist einfach erfrischend!«, findet Sandra Warmbrunn. Um diese Nähe zur Kunst und den dahinterstehenden Menschen auch an ihre Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben, organisiert sie Kunstführungen für Mitarbeiter. »15-Minuten Kunst« in der Mittagspause, das ist eine schöne Auszeit und die Möglichkeit, Fragen zu den Exponaten zu stellen.

 

Slideshow von

So einen Einsatz für bildende Kunst zeigen nicht viele Unter-nehmen in der Stadt. Das hat auch der Förderverein des Horst-Janssen-Museum bemerkt und die Belegschaft der Treuhand zu einer exklusiven Führung eingeladen. Eine schöne Aufmerksamkeit, wie Warmbrunn findet. Ein weiterer Vorteil für sie: Sie darf neben dem Treuhand-Kosmos regelmäßig in ein völlig anderes Thema eintauchen, sich mit den Biografien und Interpretationender Künstler auseinandersetzen, um sie der Presse und unter www.kunstfoyer.de vorzustellen.

So wie aktuell Sibylle Springer aus Bremen. Sie wurde von Jörg Kinner eingeladen, in der Treuhand auszustellen. Kinner ist Geschäftsführer des Oldenburgischen Kunstvereins und somit der letzte fehlende Protagonist des Kunstfoyers: Er scoutet Talente und ist somit für die Qualität der Ausstellungen verantwortlich. Konkret stellt er der Treuhand Künstler zur Auswahl, Warmbrunn entscheidet dann mit Kersten Duwe, wer in der nächsten Aus-stellung zu sehen sein wird. Sibylle Springer freut sich auf die Eröffnung, zu der am 1. Juni 2016 wieder zahlreiche Kunstfans erwartet werden: »Ich bin gespannt, wie meine Gemälde dort ihre Wirkung entfalten.« Dank Jürgen Jetschinas sorgfältiger Hand sicherlich perfekt.

Fotos: Markus Monecke, Tobias Trapp

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