Walther Schumacher

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Abenteuer Familienunternehmen. Für unser Titelthema hat Chefredakteur Jannes Vahl Geschäftsführer Lars Andresen und Senior Peter Schumacher zum Interview getroffen.

87 Jahre. Drei Generationen. Eine Familie. Die Walther Schumacher GmbH ist in der Region führend für alles, was mit dem Arbeitsplatz im Beruf oder daheim zu tun hat – seit 1928. Wir blicken zurück auf eine bewegte Firmengeschichte. Und in die Zukunft des Büros.

Hier, kennen Sie das noch? Das ist ein altes Farbband für eine Schreibmaschine. Und dies ist ein dazu passender Kugelkopf.« Peter Schumachers Augen leuchten, als er die alten Stücke aus seinem Schrank holt. Nach einem Pelikan-Tintenfass aus den Fünfzigern und einer Flasche Radierwasser »Tintentod« hält Schumacher, der von den meisten im Betrieb ehrfürchtig »der Senior« genannt wird, seinen wohl größten Schatz in den Händen: ein großes Fotoalbum mit der Geschichte des familienbetriebes Schumacher von 1928 bis 2016.

Gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Lars Andresen gehen wir auf eine einstündige Zeitreise, eine Geschichtsstunde von der Gründung vor 87 Jahren in der Kastanienallee über die zwei großen Umzüge 1952 in den Heiligengeistwall und 1998 in den Patentbusch bis ins Jetzt, wo das Unternehmen Schumacher eine 1.500 Quadratmeter große Mischfläche aus Büros, Showroom, Verkauf und Lager besitzt. Das Zentrallager befindet sich allerdings außerhalb, denn 16.000 Artikel – etwa so viele führt Schumacher derzeit – und 4.000 Aufträge pro Monat alleine für Bürobedarf können hier nicht verwaltet werden. In der nahen Zukunft wird Andresen das Geschäft online sogar auf 30.000 Artikel ausweiten. »Das sind nunmal die Zeichen der Zeit«, sagt er kämpferisch. »Damals sagte mein Schwiegervater, mach Dir keine Gedanken, Papier und Bleistifte werden immer gebraucht.« Andresen ist gespannt, wie lange er noch Recht behalten soll, denn der Trend geht bereits zum papierlosen Büro. Schumacher hat im Laufe der Zeit Schreibmaschinen verkauft, 1979 die ersten Faxgeräte, auf der Cebit-Premiere 1986 ein Taschendiktiergerät, dem Boris Becker seinen Namen lieh, und 1994 zog schließlich der erste Computer für die Warenwirtschaft ein. Bleistifte und Papier werden immer noch verkauft. Ebenso Produkte vom Post-it bis zum Multifunktionsdrucker, aber auch lösungsorientierte, ganzheitliche Büroeinrichtungen: »Schaut euch das an, „Büroplanung à la carte“ nennen wir das.« Andresen zeigt Broschüren, Kataloge und Flyer mit den »Quality Office« Zertifikaten in die Runde.

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Peter Schumacher steht am Empfang und blättert in den Informationen. Das Operative hat der Senior längst seiner Tochter
Nicola Andresen-Schumacher und ihrem Mann überlassen. »Mein zwei Jahre jüngerer Bruder Klaus und ich haben die Geschäftsführung 1972 von unserem Stiefvater und unserer Mutter Agnes übernommen« erinnert er sich. Sein leiblicher Vater Walther Schumacher starb 1945. »Ich bin direkt in den Außendienst und habe mich um Büromöbel und Bürotechnik gekümmert. Mein Bruder war im Innendienst und hat den Bürobedarf übernommen. Das waren damals noch zwei getrennte Ladengeschäfte im Heiligengeistwall 2 und 19. Und dann musste immer noch jemand zu unserem Lager am Bahnhof fahren, um den Logistikern aufzuschließen.

Die Geschäfte sollten Peter Schumachers Tochter Nicola und Schwiegersohn Lars Andresen übernehmen: Der gelernte Sparkassenkaufmann verließ dafür seine Stelle bei Messerknecht in Bremen. Der Senior selber hält nun neben der Funktion als stiller Gesellschafter noch eine Aufgabe inne: Er verwaltet die 20 Fahrzeuge aus seinem Fuhrpark, kümmert sich um die Versicherungen, Tankquittungen und die Wechsel der Reifen. »Ich kann nicht zuhause rumsitzen, dafür habe ich zu lange gearbeitet«, lächelt er verschmitzt. »Ich lebe schließlich für diese Firma.«

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Eine Firma, die sich schon immer dem Wandel im Büro angepasst hat. Besser als viele andere offensichtlich. Neben der Vielzahl an Artikeln, zu denen mittlerweile neben Bürobedarf, -technik und -möbeln auch Blumen für den Empfang oder Kaffee und  Kekse für den Konferenzraum gehören, hat Schumacher sich stets auch auf neue Themen und Branchen spezialisiert. Aktuell ist das etwa ein großer Werbemittel-Onlineshop. Ergonomie und Sicherheit am Arbeitsplatz als weitere Beispiele. Oder Umzugsservice. Nachhaltigkeit als Trend natürlich. Aber auch die Planung, Umsetzung und Einrichtung von Arbeitsplätzen oder privaten Wohnbereichen. Die konzeptionelle Büroberatung und ganzheitliche Raumplanung stellen die anerkannten »Quality Office« Berater einerseits durch zertifizierte Produkte oder Fachhändler sicher, auf der anderen Seite hat Geschäftsführer Lars Andresen aber auch ein ganz besonderes Händchen für Exklusives. Stilikonen führender Designer vertreibt Schumacher oft als einzige Adresse zwischen Bremen, Hamburg und Göttingen. »Als ich 1993 anfing, musste ich den Herstellern hinterherbetteln, habe Absagen am laufenden Band kassiert, weil Bürobedarf angeblich nicht mit Designstühlen funktioniert. Aber nach und nach habe ich Abschlüsse mit Thonet, Fritz Hansen oder USM Haller hinbekommen und als uns dann 2006 Vitra den Zuschlag gegeben hat, hat sich das Blatt gewendet.« Plötzlich wollten alle über Schumacher verkaufen, Andresen muss nun eher auf seine Marke aufpassen als andersrum. Späte Befriedigung? Dafür ist er nicht der Typ. Andresen ist längst an der nächsten Branche dran, spricht mit Trendforschern, ist selbstverständlich auf wichtigen Messen wie der Orgatec in Köln zugegen.

Wie sieht es also aus, das Abenteuer Zukunft für den Familienbetrieb Schumacher? Die Digitalisierung ist sicher ein entscheidender Faktor. Und doch wird man einen Schreibtischstuhl, so smart er am Ende auch sein kann, immer anfassen können. Nicola Andresen-Schumacher erzählt dazu eine bemerkenswerte Anekdote: »Kürzlich bat ich meinen Sohn für mich eine Kleinigkeit aufzuschreiben. Er meinte, das würde nicht gehen; er hätte nur noch zwei Prozent Akkuleistung.« Während sie spricht, spielen ihre Hände mit einem grünen Bleistift …

 

Fotos: Markus Monecke

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